Endlich Aschermittwoch! Ich hatte im Januar noch die Hoffnung, dass München noch viel weniger mit Karneval im Sinn hat als Hamm. Falsch gedacht. Es heißt hier Fasching und nicht Karneval, aber gefeiert wird es hier auch.

Vor gut einer Woche wurde ich darauf vorbereitet, dass es zum Fasching nach Neumarkt in der Oberpfalz geht. Hier hat der Karneval sogar noch ein Motto oben drauf: “Matrosen-Fasching”. Ich besitze schon herzlich wenig Kleidung, die ganz speziell auf Karneval abgestimmt ist. Im Bereich Matrosen wies mein Umzugskarton allerdings absolute Ebbe auf. Mir blieb also nicht anderes übrig, als mich kurzerhand in der entsprechenden Abteilung von Karstadt und Kaufhof umzusehen. “Schon nach 3 Stunden” schauen und probieren wurde ich fündig. Seit dem Kauf verblieben die Schmuckstücke in der Karstadt-Tüte und am Rosenmontag nun, sollten Sie zum Einsatz kommen.

Schon bei der Einfahrt in Neumarkt fiel stark auf, dass das gesamte Dorf nicht im Mindesten auf Fasching eingestellt ist. Ich hätte es gleich wissen müssen. Welcher Fasching beginnt um 20 Uhr und hat ein Motto? Ich glaube, dass ich zu keinem Zeitpunkt, an dem ich Rosenmontag in Hamm gefeiert habe, um 20 Uhr noch zurechnungsfähig, geschweige denn wach gewesen wäre. In der Regel ging es hier ja immer schon am Vormittag los.
Zunächst ging es in das Hotel Dietmeyer und von hier dann direkt ins Kult. Der Weg war ca. 500m lang. In dieser Zeit begegneten uns einige Menschen und alle musterten uns von oben nach unten. Erstmals hegte ich den Gedanken, dass wir im Kult die einzigen Gäste mit Verkleidung wären. Der Laden war ganz gut gefüllt. Gott sei Dank waren meine Befürchtungen unbegründet. Gut 80% der Gäste waren verkleidet. Interessant war, dass sowohl die Männer, als auch die Damen sich in der Optik ihrer Kleidung fast gar nicht unterschieden. Man hätte den Eindruck gewinnen können, dass es nur einen Laden in Neumarkt gab, der Faschings-Kleidung verkaufte, dann auch nur zu diesem Anlass und das die gesamte Gesellschaft vorab dort war um einzukaufen. Die Herren waren entweder Piraten mit großem Hut/Tuch um den Kopf gebunden, Augenklappe, Säbel und einem Mantel und die Damen ebenso, nur mit Ringel-Shirts bzw. tiefer geschnittenen Dekolleté. Spannend wurde den gesamten Abend über die Musik-Auswahl. Zwei Mal wurde das “Rote Pferd” gespielt, einmal “Wir spielen Cowboy und Indianer” und einmal die Polognese. Hier kam erst- und letztmals richtig Schwung in die Gesellschaft. Man lief brav hintereinander weg im Kreis. Das allerdings war auch schon die gesamte Palette der Oberpfälzischen Faschingsmusik-Auswahl. Die Narren und Närrinnen standen im Laufe des Abends sehr eng zusammen, weil das gesamte Dorf noch zum Feiern aufschlug. Es wurde viel getrunken und sich nett unterhalten. Einmal wurde der Versuch gestartet die Narren und Närrinnen aufzumischen, indem sich auf die Theke gestellt wurde – aber dieser Versuch wurde schon nach gut 5 Minuten abgebrochen, weil die Herren zu groß waren für die Theke und sich den Kopf gestossen haben ;-) .

Fazit: Karneval ist auf keinen Fall gleich Karneval. Für mich als Karenvals-Muffel war die Neumarkter-Veranstaltung genau das Richtige. Gar kein “Tätäääää Tätäää Tätää”, fast gar keine Karenvals-Lieder. Einfach ein amüsanter Abend im Kreise von netten und lustigen Menschen. Ich war gegen 6 Uhr im Hotelzimmer und habe den gesamten gestrigen Tag auf der Couch verbracht mich wieder zu sammeln.

Abschließend aber noch die Anmerkung: Ist euch auch aufgefallen, dass die Nachrichten gestern alle die Bilder vom “Marktfrauen-Tanz” am Marienplatz in München zeigten. Ist doch seltsam- München die Faschings-Hochburg? Wären hier nicht die Bilder aus Mainz, Köln und Düsseldorf fällig gewesen?

Popularity: 4%